Trachtenbeschreibung der Sinngrundtracht wie sie von der Volkstanz- und Trachtengruppe Burgsinn e.V. getragen wird


Die Volkstanz- und Trachtengruppe Burgsinn e.V. trug seit ihrer Gründung im Jahre 1969 eine erneuerte Rhöntracht nach Vorlagen vom damaligen Bezirksheimatpfleger. Im Jahre 1983 begann die Suche nach einer Tracht die einen direkten Bezug zu Burgsinn haben sollte. Wir fanden wenige Einzelstücke, Fotos und Beschreibungen, die wir zur Grundlage für unsere neue Sinngrundtracht machten.


Die Männertracht

Für die Männertracht diente ein Foto von Melchior Sachs aus Mittelsinn als Vorlage. Darauf trug er eine lange Hose mit Hosenladen, eine zweireihige Tuchweste mit Silberknöpfen und Borten, einen Gehrock. Wir entschieden uns für Hosen aus schwarzem Tuch oder Velveton. Die Tuchwesten wurden blau für die Protestanten und rot für die Katholiken um die lange Tradition der beiden Konfessionen miteinander im Sinngrund zum Ausdruck zu bringen, und um nicht den Eindruck einer Uniform entstehen zu lassen. Der Gehrock wurde aus dunkelblauem Tuch gefertigt. Dazu kam bei Bedarf eine kurze Jacke ebenfalls in Dunkelblau. Nachdem wir keine Fotos und Beschreibungen fanden haben wir uns bei der Kopfbedeckung für die Männer für einen schwarzen Dreispitz entschieden, dieser sollte auch unsere fränkischen Wurzeln zum Ausdruck bringen. Ein weißes Hemd, dazu ein schwarzes oder blaues seidenes Halstuch und gestickte Hosenträger vervollständigten die Tracht. Die Strümpfe sind dunkelblau oder schwarz, die Schuhe sind aus schwarzem Leder. Zur Tanztracht der Männer gehört nur die schwarze Hose, das Hemd, die Hosenträger, das Halstuch, die Weste und der Dreispitz. Bei der Festtracht wird noch der Gehrock getragen und ein Trachtenschirm kommt dazu. Zur Trauertracht werden die farbigen Westen durch eine schwarze Weste ersetzt.



Die Arbeitstracht der Männer

Die Arbeitstrachten unterscheiden sich kaum von der in ganz Deutschland getragenen Weise. Sie besteht aus einer schwarzen Manchesterhose, einem blauweiß gestreiften Hemd, einer Arbeitsschürze, einem Strohhut oder einer Schildkappe, dazu kommt eine blaue Arbeitsjacke, Holzschuhe oder Stiefel. Zur Kirchweih werden die Strohhüte mit bunten Bändern geschmückt.

Die Frauentracht

Bei der Frauentracht müssen wir nach Tanztracht, Festtracht, Trauertracht und Arbeitstracht unterscheiden.

Die Tanztracht besteht aus einem weißen Frauenhemd mit Spitzenbesatz an Bund und Kragen, einem gemusterten Leibchen mit einer Verzierung aus Posamentenborten, einem engen Unterrock (Knierock) und einem karierten in Falten gelegten Tanzrock mit zwei Samtbändern verziert. Dazu kommt eine meist schwarzgrundige Schürze mit bunten Blumenmustern und farbigen Schürzenbändern. Als Tuch werden geflammte Mailänder Seidentücher in verschiedenen Farben getragen. Der karierte Rock war auf einem Foto aus Wohnrod zu sehen. Das geflammte Tuch war im Original von der Großmutter von Blanka Herold aus Burgsinn. Das Leibchen, das Hemd und die Schürze wurden durch Beratungen von Alfred und Gudrun Dörr ergänzt.

Die Festtracht wurde uns von Lisa Amrehn aus Mittelsinn erklärt. Sie hat als Kind noch ihre Großmutter in Tracht (vor allem beim Abendmahl) gesehen. Als diese dann gestorben war, wurden die Röcke und Tücher zu Kleidern für die Kinder umgeändert. Die Festtracht besteht wiederum aus dem Frauenhemd, dem Leibchen mit Wulst, dem Knierock, dem karierten Tanzrock (hier ist er Unterrock), einem gezogenen Festrock in dunklen Grundfarben der entweder mit kleinen Mustern oder in sich gemustert aus Beidergemang (Wolle und Leinen gemischt) hergestellt wurde. Dazu kommt ein schwarzer Mutzen (kurze Jacke) mit Spenzer und mit Samtbändern oder Posamtenborten verziert. Darunter wurde früher noch ein Wattrock getragen. Die Schürze war aus Seidenmoiré verziert mit schwarzen Tüllspitzen. Darauf kam wieder ein geflammtes Seidentuch. Die Haube wurde zum einen nach Originalen aus dem Spessartmuseum in Lohr und einer Originalhaube aus Mittelsinn gefertigt. Die Hauben aus Lohr stammen aus Obersinn, alle Hauben sind aus schwarzen Moirebändern, der Haubenspiegel besteht aus zusammengenähten Seidenbänder in Falten gelegt. Darauf wurde noch ein Stirnbund getragen. Die zweite Haubenform wurde nach Beschreibungen von Ernst Neuf aus Burgsinn gefertigt, der diese nach dem Krieg weggeworfen hatten. Sie ist auch aus schwarzen Moirebändern der Haubenspiegel ist mit Flitter bestickt, auf beiden Seiten ist eine Rosette aus Goldborten und Flitter. Die Hauben im Sinngrund waren laut Aufzeichnungen aus den Phyiskatsberichten des Amtsgerichts Gemünden nach Art der hessischen. Als Schmuck tragen die Frauen Ohrringe und Broschen aus Golddouble mit schwarzen, blauen oder weisen Steinen. Auch hier ist der Schmuck zum Teil im Original vorhanden (Blanka Herold) und auf Fotos zu sehen. Bei der Trauertracht werden alle farbigen Trachtenteile durch schwarze ersetzt.

Die Tanztracht besteht aus einem weißen Frauenhemd mit Spitzenbesatz an Bund und Kragen, einem gemusterten Leibchen mit einer Verzierung aus Posamentenborten, einem engen Unterrock (Knierock) und einem karierten in Falten gelegten Tanzrock mit zwei Samtbändern verziert. Dazu kommt eine meist schwarzgrundige Schürze mit bunten Blumenmustern und farbigen Schürzenbändern. Als Tuch werden geflammte Mailänder Seidentücher in verschiedenen Farben getragen. Der karierte Rock war auf einem Foto aus Wohnrod zu sehen. Das geflammte Tuch war im Original von der Großmutter von Blanka Herold aus Burgsinn. Das Leibchen, das Hemd und die Schürze wurden durch Beratungen von Alfred und Gudrun Dörr ergänzt.





Die Arbeitstracht der Frauen

Bei der Arbeitstracht diente eine Arbeitsbluse von Elfriede Sachs aus Mittelsinn als Vorlage. Sie besteht aus einer gestreiften Arbeitsbluse, einem karierten in Falten gelegten Rock (mit Samtbändern verziert), einer blauen geblümten Arbeitsschürze, schwarzen Strümpfen und Holzschuhen oder Stiefeln. Als Kopfbedeckung dient ein weißes oder buntes Kopftuch.

Die Kindertracht

Für die Kinder entschieden wir uns nur die Tanztracht anzuschaffen. Die Kinder tragen anstatt Seidentüchern und Seidenschürzen welche aus Wollmouseline.

Aufgrund der wenigen Fotos, Originalstücken und Beschreibungen waren wir auf die fachkundige Hilfe von Alfred und Gudrun Dörr angewiesen. Sie haben uns vor allem bei fehlenden Teilen zur Tracht die passenden Ergänzungen geliefert. Wir hatten am Anfang z.B. keine Hosenträger im Original oder als Beschreibung. Wir erhielten von den Trachtenberatern ein Muster. In der Zwischenzeit haben wir vier verschiedene Muster bekommen, die auch im Sinngrund getragen wurden (Henning und Biemüller aus Burgsinn, Katzenberger aus Fellen, Fritsch aus Mittelsinn). Eine Besonderheit unserer Tracht ist auch, dass die Männer- und die Frauentracht etwa im gleichen Zeitraum (ca. 1850) getragen wurde. Wir wissen nicht, ob die Sinngrundtracht jemals hundertprozentig genauso getragen wurde wie wir sie zur Zeit tragen, aber wir sind stolz darauf, dass sich doch viele Einzelheiten bei uns nachweisen lassen. Denn Tracht soll Beziehung zur Heimat vermitteln - soll ein Stück Wurzel sein. Erneuerte Trachten ohne direkten Bezug zur jeweiligen Gegend können diese Aufgabe nie übernehmen.


Erich Wolf
Kreuzstraße 5a
97775 Burgsinn
Tel: 09356/2187